Genießt Eure gemeinsame Zeit! Was ist an „Verwöhnen“ so schlimm?

    In unseren FABEL Kursen verbringen wir eine wundervolle gemeinsame Zeit mit Euch, mit den Eltern und ihren Kindern. Wir bereiten immer wieder Themen vor, die wir gemeinsam mit Euch besprechen. Das Thema „Verwöhnen“ ist uns dabei immer eine große Herzensangelegenheit.

    Häufig kommen Fragen wie: „Wann fängt denn Erziehung an?“ Oder „Wann verwöhne ich denn mein Baby“ und vieles mehr.

    Als Mama von zwei wundervollen Kindern kenne ich diese Fragen und die dahinter steckende Unsicherheit sehr gut.

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es mir ging, als mein Sohn, der mittlerweile 14 ist, geboren wurde. Auch ich war verunsichert und hatte viele Fragen ob ich alles so richtig mache.

    Als ich dann nach einigen Wochen meine ältere Nachbarin im Hausflur traf und sie sich erkundigte wie es uns denn ginge, machte sich das erste Mal ein zweifelndes Gefühl in mir breit. Ich erzählte ihr von dem schlimmen Bauchweh, das mein Sohn hätte und das wir ihn viel tragen würden. Mein Sohn wollte nun einmal als Neugeborenes mit Koliken „dauergestillt“ und „dauerbekuschelt“ werden. Das fühlte sich völlig normal für mich an, da ich ja seine Bedürfnisse gut erkennen und stillen wollte.

    Meine liebe ältere Nachbarin antwortete daraufhin, dass er doch aber dadurch verwöhnt werde und sich dauerhaft daran gewöhnen würde auf dem Arm zu sein. So könne ich ihn ja nie ablegen und eigentlich könne er ja auch schon durchschlafen. Sie kenne das gar nicht so von ihren Kindern. Aber ihre Tochter erzählt das auch von ihrer eigenen Tochter.

    In diesem Moment begann ich das erste Mal an mir zu zweifeln, ob ich denn alles richtig machen würde. Ich hatte doch nur auf mein Gefühl gehört und meinem Baby alles geben wollen.

    Durch die Weiterbildung zur Familien- und FABEL Kursleitung haben wir uns noch einmal ganz anders mit dem Thema „Verwöhnen und Erziehen“ auseinander gesetzt.

    Hier spielt die deutsche Geschichte eine große Rolle.

    Wenn wir uns als Paar heute für Kinder entscheiden, setzen wir uns schon oft vor der Geburt mit dem Thema Erziehung auseinander.

    Wir lesen und hören Worte wie: bedürfnisorientierte Erziehung, Bauchgefühl, kompetentes Kind, Beziehung statt Erziehung und vieles mehr. Auch sehen und fühlen wir dies, wenn wir Eltern in unserem Umfeld mit ihren Kindern erleben.

    Wenn nach langem und sehnsuchtsvollen Warten dann unser Baby geboren ist, versuchen wir uns in unsere Rolle hinein zu finden. Es gibt plötzlich viele Fragen und auch Unsicherheiten. Wir sind jetzt für einen kleinen Menschen verantwortlich und wollen doch nur das Bestmögliche für ihn.

    Neben den gewollten Ratschlägen können aber auch ungewollte Ratschläge aus unseret Umgebung kommen. Auch von Personen, die uns vielleicht gar nicht kennen.

    Einige Ratschläge sind mit unserem Bauchgefühl konform, bei anderen müssen wir vielleicht erst einmal durchatmen und sie rufen bei uns Unmut oder auch Widerwillen hervor.

    Warum aber rufen sie bei uns solche Gefühle hervor?

    Um das zu verstehen gucken wir auf die Geschichte Deutschlands, vor allem auf die Geschichte im Dritten Reich zurück.

    Sicherlich haben die Nationalsozialisten die Erziehung mit der „harten Hand“ nicht erfunden, aber doch war sie sehr prägend und hat auf die Mutterrolle und Familie einen großen Einfluss genommen.

    Der Name Johanna Haarer taucht dabei auf.

    Wobei wir hier auch durchaus im Kopf behalten sollten, dass die Eltern von früher nicht anders waren als wir heute. Auch sie wussten nicht genau was auf sie in diesem neuen Lebensabschnitt zukommt.

    Sie waren bestimmt auch zum Teil verunsichert, hatten Ängste und wollten das Beste für ihr Kind.

    Als Eltern in der heutigen Zeit können wir uns durch viele Medien informieren. Wir können in den Buchladen gehen oder lesen im Internet. Es gibt unendlich viele Ratgeber und Bücher über Babys, Kinder und Erziehung. Fast jedes Themengebiet wird abgedeckt.

    Wir als Eltern können uns entscheiden, welches Lesewerk zu uns passt und haben die Möglichkeit zu wählen.

    Im Dritten Reich gab es solche Möglichkeiten nicht und der Mütterratgeber von Johanna Haarer: „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ war somit richtungsweisend.

    Später folgte noch der Folgeratgeber: „Unsere kleinen Kinder“.

    Es gab auch noch wenige andere Schwangeren- und Säuglingsratgeber, allerdings hat dieses Buch sehr viel an Bedeutung für die Mütter gehabt. Johanna Haarers Bücher waren geprägt von der Mutterrolle, Gesundheitsratschlägen, Pflege, Erziehung und vieles mehr.

    Johanna Haarer hatte selbst fünf Kinder und schrieb kurz nach der Geburt ihrer ersten Zwillingskinder Zeitungsartikel für die Bereiche Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Ernährung, Säuglingspflege und früheste Erziehung. Interessant dabei ist, dass sie keine Fachärztin für Kindermedizin war. Sie legte 1925 das Staatsexamen ab, erwarb den Doktortitel und arbeitete als Fachärztin für Lungenerkrankungen.

    Auf ihren Doktortitel legte sie ihr ganzes Leben besonders viel Wert, denn zum damaligen Zeitpunkt kämpften Frauen noch um ihre Anerkennung in der Medizin.

    Die Veröffentlichung ihrer Artikel wurden von der NS Propaganda unterstützt.

    Im Jahr 1934 veröffentlichte sie nun ihren Mütterratgeber, der eng an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ angelehnt war. Er war Grundlage für die Reichsmütterschulung der NS Frauenschaft und im Fach „Säuglingspflege“ des Bundes Deutscher Mädel. Es gab in diesem nationalsozialistischen Ratgeber klare Anweisungen wie und warum Erziehung zu erfolgen hatte.

    Der Mann oder Vater fand keinen Platz in diesem Buch, denn die Frau hatte die Mutterrolle. Dies war schließlich die gewollte Rolle der Frau im NS Regime. Die Mütter wurden mit dem Mütterkreuz geehrt und Willenskraft, Beharrlichkeit und Unerbittlichkeit waren die idealen Eigenschaften.

    Somit gab es nicht nur die klare Anleitung, sondern auch die Mutterrolle war klar definiert. Wichtig war Johanna Haarer, dass die Erziehung schon im Säuglingsalter beginnt und nie wirklich endet.

    Die Erziehung des Säuglings sollte hart sein und beginnt ab dem Zeitpunkt der Geburt.

    Als Beispiel:

    Folgt man Haarer, dann wird das gesunde Neugeborene, sobald es abgenabelt ist, in ein Tuch gehüllt, „zur Seite gelegt“ und später, nachdem die Mutter „versorgt“ ist, gebadet und angezogen. Danach soll es möglichst in einem Raum für sich allein sein und nach 24 Stunden der Mutter zum ersten Mal zum Stillen „gereicht“ werden: „Ist Hilfe im Hause, die sich um das Neugeborene kümmern kann und ist genügend Platz vorhanden, so raten wir ganz unbedingt dazu, es von der Mutter getrennt unterzubringen und es ihr nur zum Stillen zu reichen. Der Mutter wird auf diese Weise nicht nur viel Beunruhigung erspart – sie horcht nur zu gern ängstlich auf jede Lebensäußerung des kleinen Wesens und sorgt sich unnötig darum -, sondern auch für das Kind ist ein eigener Raum von großem Vorteil. Dort ist es dem Ansturm der Besucher weniger ausgesetzt und läuft nicht so sehr Gefahr, von allen möglichen Händen angefasst oder aus dem Bett genommen und immer wieder geräuschvoll begutachtet zu werden. Indem wir dem Kinde dies ersparen, behüten wir es vor Beunruhigung oder Wärmeverlust und vor allem vor Erkrankungen… Außerdem hat die Trennung von Mutter und Kind unmittelbar nach der Geburt zu beginnen …“

    (Haarer 1938, s.104 – aus dem Buch von Sigrid Chamberlain:Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind)

    Oder das Thema Essen:

    Hier hat sie Regeln für das Stillen bzw. Füttern aufgestellt.

    Es wurden strenge Zeiten für das Stillen vorgegeben. Eine Brustmahlzeit soll nicht länger als 20 Minuten dauern: „ Man stille daher anfangs nicht ohne Uhr. Diese Zeit genügt, um die Brust ausreichend zu entleeren. Wird das Kind länger an der Brust gelassen, so gewöhnt es sich daran, nur zu lutschen ohne zu saugen. Es „bummelt“ an der Brust.“ (Haarer 1938, S.114)

    Außerdem hat das Stillen täglich zur gleichen Zeit stattzufinden. Zwischen den festgelegten Mahlzeiten gibt es laut Haarer keinen Grund das Baby zu füttern. „Bedenke immer: Mit deinem richtigen Verhalten in dieser ganz entscheidenden Frage steht und fällt die richtige Pflege und Aufzucht deines Kindes! Die regelmäßig eingehaltenen, täglich gleich pünktlichen Mahlzeiten sind der entscheidende Beginn in der Erziehung deines Kindes“ (Haarer 1938, S 114).

    Ebenso beschreibt sie aber auch die Flaschenfütterung die eher eine technische Angelegenheit sei.

    Diese solle noch kürzer als eine Stillmahlzeit dauern, nämlich nur 10 Minuten.

    Für den Fall, dass das Baby nicht aus der Flasche trinken will und vorausgesetzt, dass es schon etwas älter und kräftiger ist, gibt sie folgenden Rat: „Wird bei der Fütterung mit der Flasche sicher kein Fehler begangen und beharrt das Kind trotzdem in seinem Widerstand, so vergesse die Mutter nicht, dass auch Hunger hier der beste Koch ist. Man quäle sich mit einer Mahlzeit nicht zu lange ab und warte unerbittlich bis zur nächsten Fütterungszeit. Es gilt oft nur einen einmaligen Widerstand zu brechen.“ (Haarer 1938, S. 187)

    (Aus dem Buch von Sigrid Chamberlain:Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind)

    Weitere Beispiele:

    „Das Schreien des Säuglings, das die Lungen kräftigt, interpretiert Johanna Haarer als Langeweile oder Tyrannei. Kinder die einfach „zum Zeitvertreib“ schreien – also „trotz einwandfreier Pflege und tadelloser körperlicher Verfassung“ sind am besten an einem stillen Ort“ aufgehoben, wo sie allein bleiben, und erst zur „nächsten Mahlzeit wieder vorgenommen“ werden, keinesfalls früher, denn das Kind begreift sehr schnell, dass es nur zu schreien braucht, „um eine mitleidige Seele herbeizurufen und Gegenstand solcher Fürsorge zu werden“ (Haarer 1941, S. 173 f.).

    „Wenn das Kind schreit und selbst der Schnuller das Schreien nicht sofort stoppt: “Dann liebe Mutter werde hart! Fange nur nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen.“ (Haarer 1934, S.158)

    Dies sind nur einige Beispiele und wir merken schnell das der Säugling nicht als kompetentes Wesen wahrgenommen wird.

    Für eine Vertiefung in das Thema ist das Buch von Sigrid Chamberlain: „Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ zu empfehlen.

    Wenn wir uns nun diesen kleinen geschichtlichen Rückblick angucken, verstehen wir vielleicht den ein oder anderen gut gemeinten Ratschlag, der bei uns ein Unwohlsein hervorruft.

    Dahinter steckt eine lange Geschichte, die mehrere Generationen sehr geprägt hat.

    Johanna Haarers Ratgeber stand bis weit in die 50er Jahre in den Wohnzimmern und diente dazu um Fragen zu beantworten.

    Leider kann ich meine Großmutter nicht mehr fragen, wie sie diese Zeit erlebt hat, aber wenn ich in ihre Fotoalben von früher gucke sehe ich Fotos von ihr beim Bund Deutscher Mädel. Wie sie dort ihre Jugend verlebt hat, in der Gemeinschaft. Meine Oma wurde 1925 geboren und meine Mutter ist 1954 zur Welt gekommen. Inwieweit meine Großmutter von diesem Bild geprägt wurde, kann ich nur erahnen. Aber auch bei ihr stand dieses Buch im Wohnzimmer.

    Aber vielleicht habt Ihr die Möglichkeit eure Eltern oder Großeltern zu fragen.

    Manchmal ist dies aber nicht möglich oder auch gar nicht gewollt. Auch das ist völlig in Ordnung.

    In unseren FABEL Kursen ist das Thema „Verwöhnen“ immer auch ein wichtiger Punkt.

    Auch immer unter dem Gesichtspunkt, dass doch jeder nur das Beste für sein Kind möchte.

    Ihr seid die Experten für Euer Kind und Ihr entscheidet, welcher Weg für Euch und Eure Familie richtig ist.

    Es gibt keine perfekte Anleitung und Vorgehensweise. Wir sind alle nur Menschen, die auch Fehler machen und daraus lernen können.

    Nur wenn wir authentisch sind, bei uns bleiben und für uns den Weg richtigen Weg finden, werden wir uns wohl fühlen.

    Beitrag von Nadine

    Genießt Eure gemeinsame Zeit! Was ist an „Verwöhnen“ so schlimm?

    In unseren FABEL Kursen verbringen wir eine wundervolle gemeinsame Zeit mit Euch, mit den Eltern und ihren Kindern. Wir bereiten immer wieder Themen vor, die wir gemeinsam mit Euch besprechen. Das Thema „Verwöhnen“ ist uns dabei immer eine große Herzensangelegenheit.

    Häufig kommen Fragen wie: „Wann fängt denn Erziehung an?“ Oder „Wann verwöhne ich denn mein Baby“ und vieles mehr.

    Als Mama von zwei wundervollen Kindern kenne ich diese Fragen und die dahinter steckende Unsicherheit sehr gut.

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es mir ging, als mein Sohn, der mittlerweile 14 ist, geboren wurde. Auch ich war verunsichert und hatte viele Fragen ob ich alles so richtig mache.

    Als ich dann nach einigen Wochen meine ältere Nachbarin im Hausflur traf und sie sich erkundigte wie es uns denn ginge, machte sich das erste Mal ein zweifelndes Gefühl in mir breit. Ich erzählte ihr von dem schlimmen Bauchweh, das mein Sohn hätte und das wir ihn viel tragen würden. Mein Sohn wollte nun einmal als Neugeborenes mit Koliken „dauergestillt“ und „dauerbekuschelt“ werden. Das fühlte sich völlig normal für mich an, da ich ja seine Bedürfnisse gut erkennen und stillen wollte.

    Meine liebe ältere Nachbarin antwortete daraufhin, dass er doch aber dadurch verwöhnt werde und sich dauerhaft daran gewöhnen würde auf dem Arm zu sein. So könne ich ihn ja nie ablegen und eigentlich könne er ja auch schon durchschlafen. Sie kenne das gar nicht so von ihren Kindern. Aber ihre Tochter erzählt das auch von ihrer eigenen Tochter.

    In diesem Moment begann ich das erste Mal an mir zu zweifeln, ob ich denn alles richtig machen würde. Ich hatte doch nur auf mein Gefühl gehört und meinem Baby alles geben wollen.

    Durch die Weiterbildung zur Familien- und FABEL Kursleitung haben wir uns noch einmal ganz anders mit dem Thema „Verwöhnen und Erziehen“ auseinander gesetzt.

    Hier spielt die deutsche Geschichte eine große Rolle.

    Wenn wir uns als Paar heute für Kinder entscheiden, setzen wir uns schon oft vor der Geburt mit dem Thema Erziehung auseinander.

    Wir lesen und hören Worte wie: bedürfnisorientierte Erziehung, Bauchgefühl, kompetentes Kind, Beziehung statt Erziehung und vieles mehr. Auch sehen und fühlen wir dies, wenn wir Eltern in unserem Umfeld mit ihren Kindern erleben.

    Wenn nach langem und sehnsuchtsvollen Warten dann unser Baby geboren ist, versuchen wir uns in unsere Rolle hinein zu finden. Es gibt plötzlich viele Fragen und auch Unsicherheiten. Wir sind jetzt für einen kleinen Menschen verantwortlich und wollen doch nur das Bestmögliche für ihn.

    Neben den gewollten Ratschlägen können aber auch ungewollte Ratschläge aus unseret Umgebung kommen. Auch von Personen, die uns vielleicht gar nicht kennen.

    Einige Ratschläge sind mit unserem Bauchgefühl konform, bei anderen müssen wir vielleicht erst einmal durchatmen und sie rufen bei uns Unmut oder auch Widerwillen hervor.

    Warum aber rufen sie bei uns solche Gefühle hervor?

    Um das zu verstehen gucken wir auf die Geschichte Deutschlands, vor allem auf die Geschichte im Dritten Reich zurück.

    Sicherlich haben die Nationalsozialisten die Erziehung mit der „harten Hand“ nicht erfunden, aber doch war sie sehr prägend und hat auf die Mutterrolle und Familie einen großen Einfluss genommen.

    Der Name Johanna Haarer taucht dabei auf.

    Wobei wir hier auch durchaus im Kopf behalten sollten, dass die Eltern von früher nicht anders waren als wir heute. Auch sie wussten nicht genau was auf sie in diesem neuen Lebensabschnitt zukommt.

    Sie waren bestimmt auch zum Teil verunsichert, hatten Ängste und wollten das Beste für ihr Kind.

    Als Eltern in der heutigen Zeit können wir uns durch viele Medien informieren. Wir können in den Buchladen gehen oder lesen im Internet. Es gibt unendlich viele Ratgeber und Bücher über Babys, Kinder und Erziehung. Fast jedes Themengebiet wird abgedeckt.

    Wir als Eltern können uns entscheiden, welches Lesewerk zu uns passt und haben die Möglichkeit zu wählen.

    Im Dritten Reich gab es solche Möglichkeiten nicht und der Mütterratgeber von Johanna Haarer: „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ war somit richtungsweisend.

    Später folgte noch der Folgeratgeber: „Unsere kleinen Kinder“.

    Es gab auch noch wenige andere Schwangeren- und Säuglingsratgeber, allerdings hat dieses Buch sehr viel an Bedeutung für die Mütter gehabt. Johanna Haarers Bücher waren geprägt von der Mutterrolle, Gesundheitsratschlägen, Pflege, Erziehung und vieles mehr.

    Johanna Haarer hatte selbst fünf Kinder und schrieb kurz nach der Geburt ihrer ersten Zwillingskinder Zeitungsartikel für die Bereiche Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Ernährung, Säuglingspflege und früheste Erziehung. Interessant dabei ist, dass sie keine Fachärztin für Kindermedizin war. Sie legte 1925 das Staatsexamen ab, erwarb den Doktortitel und arbeitete als Fachärztin für Lungenerkrankungen.

    Auf ihren Doktortitel legte sie ihr ganzes Leben besonders viel Wert, denn zum damaligen Zeitpunkt kämpften Frauen noch um ihre Anerkennung in der Medizin.

    Die Veröffentlichung ihrer Artikel wurden von der NS Propaganda unterstützt.

    Im Jahr 1934 veröffentlichte sie nun ihren Mütterratgeber, der eng an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ angelehnt war. Er war Grundlage für die Reichsmütterschulung der NS Frauenschaft und im Fach „Säuglingspflege“ des Bundes Deutscher Mädel. Es gab in diesem nationalsozialistischen Ratgeber klare Anweisungen wie und warum Erziehung zu erfolgen hatte.

    Der Mann oder Vater fand keinen Platz in diesem Buch, denn die Frau hatte die Mutterrolle. Dies war schließlich die gewollte Rolle der Frau im NS Regime. Die Mütter wurden mit dem Mütterkreuz geehrt und Willenskraft, Beharrlichkeit und Unerbittlichkeit waren die idealen Eigenschaften.

    Somit gab es nicht nur die klare Anleitung, sondern auch die Mutterrolle war klar definiert. Wichtig war Johanna Haarer, dass die Erziehung schon im Säuglingsalter beginnt und nie wirklich endet.

    Die Erziehung des Säuglings sollte hart sein und beginnt ab dem Zeitpunkt der Geburt.

    Als Beispiel:

    Folgt man Haarer, dann wird das gesunde Neugeborene, sobald es abgenabelt ist, in ein Tuch gehüllt, „zur Seite gelegt“ und später, nachdem die Mutter „versorgt“ ist, gebadet und angezogen. Danach soll es möglichst in einem Raum für sich allein sein und nach 24 Stunden der Mutter zum ersten Mal zum Stillen „gereicht“ werden: „Ist Hilfe im Hause, die sich um das Neugeborene kümmern kann und ist genügend Platz vorhanden, so raten wir ganz unbedingt dazu, es von der Mutter getrennt unterzubringen und es ihr nur zum Stillen zu reichen. Der Mutter wird auf diese Weise nicht nur viel Beunruhigung erspart – sie horcht nur zu gern ängstlich auf jede Lebensäußerung des kleinen Wesens und sorgt sich unnötig darum -, sondern auch für das Kind ist ein eigener Raum von großem Vorteil. Dort ist es dem Ansturm der Besucher weniger ausgesetzt und läuft nicht so sehr Gefahr, von allen möglichen Händen angefasst oder aus dem Bett genommen und immer wieder geräuschvoll begutachtet zu werden. Indem wir dem Kinde dies ersparen, behüten wir es vor Beunruhigung oder Wärmeverlust und vor allem vor Erkrankungen… Außerdem hat die Trennung von Mutter und Kind unmittelbar nach der Geburt zu beginnen …“

    (Haarer 1938, s.104 – aus dem Buch von Sigrid Chamberlain:Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind)

    Oder das Thema Essen:

    Hier hat sie Regeln für das Stillen bzw. Füttern aufgestellt.

    Es wurden strenge Zeiten für das Stillen vorgegeben. Eine Brustmahlzeit soll nicht länger als 20 Minuten dauern: „ Man stille daher anfangs nicht ohne Uhr. Diese Zeit genügt, um die Brust ausreichend zu entleeren. Wird das Kind länger an der Brust gelassen, so gewöhnt es sich daran, nur zu lutschen ohne zu saugen. Es „bummelt“ an der Brust.“ (Haarer 1938, S.114)

    Außerdem hat das Stillen täglich zur gleichen Zeit stattzufinden. Zwischen den festgelegten Mahlzeiten gibt es laut Haarer keinen Grund das Baby zu füttern. „Bedenke immer: Mit deinem richtigen Verhalten in dieser ganz entscheidenden Frage steht und fällt die richtige Pflege und Aufzucht deines Kindes! Die regelmäßig eingehaltenen, täglich gleich pünktlichen Mahlzeiten sind der entscheidende Beginn in der Erziehung deines Kindes“ (Haarer 1938, S 114).

    Ebenso beschreibt sie aber auch die Flaschenfütterung die eher eine technische Angelegenheit sei.

    Diese solle noch kürzer als eine Stillmahlzeit dauern, nämlich nur 10 Minuten.

    Für den Fall, dass das Baby nicht aus der Flasche trinken will und vorausgesetzt, dass es schon etwas älter und kräftiger ist, gibt sie folgenden Rat: „Wird bei der Fütterung mit der Flasche sicher kein Fehler begangen und beharrt das Kind trotzdem in seinem Widerstand, so vergesse die Mutter nicht, dass auch Hunger hier der beste Koch ist. Man quäle sich mit einer Mahlzeit nicht zu lange ab und warte unerbittlich bis zur nächsten Fütterungszeit. Es gilt oft nur einen einmaligen Widerstand zu brechen.“ (Haarer 1938, S. 187)

    (Aus dem Buch von Sigrid Chamberlain:Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind)

    Weitere Beispiele:

    „Das Schreien des Säuglings, das die Lungen kräftigt, interpretiert Johanna Haarer als Langeweile oder Tyrannei. Kinder die einfach „zum Zeitvertreib“ schreien – also „trotz einwandfreier Pflege und tadelloser körperlicher Verfassung“ sind am besten an einem stillen Ort“ aufgehoben, wo sie allein bleiben, und erst zur „nächsten Mahlzeit wieder vorgenommen“ werden, keinesfalls früher, denn das Kind begreift sehr schnell, dass es nur zu schreien braucht, „um eine mitleidige Seele herbeizurufen und Gegenstand solcher Fürsorge zu werden“ (Haarer 1941, S. 173 f.).

    „Wenn das Kind schreit und selbst der Schnuller das Schreien nicht sofort stoppt: “Dann liebe Mutter werde hart! Fange nur nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen.“ (Haarer 1934, S.158)

    Dies sind nur einige Beispiele und wir merken schnell das der Säugling nicht als kompetentes Wesen wahrgenommen wird.

    Für eine Vertiefung in das Thema ist das Buch von Sigrid Chamberlain: „Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ zu empfehlen.

    Wenn wir uns nun diesen kleinen geschichtlichen Rückblick angucken, verstehen wir vielleicht den ein oder anderen gut gemeinten Ratschlag, der bei uns ein Unwohlsein hervorruft.

    Dahinter steckt eine lange Geschichte, die mehrere Generationen sehr geprägt hat.

    Johanna Haarers Ratgeber stand bis weit in die 50er Jahre in den Wohnzimmern und diente dazu um Fragen zu beantworten.

    Leider kann ich meine Großmutter nicht mehr fragen, wie sie diese Zeit erlebt hat, aber wenn ich in ihre Fotoalben von früher gucke sehe ich Fotos von ihr beim Bund Deutscher Mädel. Wie sie dort ihre Jugend verlebt hat, in der Gemeinschaft. Meine Oma wurde 1925 geboren und meine Mutter ist 1954 zur Welt gekommen. Inwieweit meine Großmutter von diesem Bild geprägt wurde, kann ich nur erahnen. Aber auch bei ihr stand dieses Buch im Wohnzimmer.

    Aber vielleicht habt Ihr die Möglichkeit eure Eltern oder Großeltern zu fragen.

    Manchmal ist dies aber nicht möglich oder auch gar nicht gewollt. Auch das ist völlig in Ordnung.

    In unseren FABEL Kursen ist das Thema „Verwöhnen“ immer auch ein wichtiger Punkt.

    Auch immer unter dem Gesichtspunkt, dass doch jeder nur das Beste für sein Kind möchte.

    Ihr seid die Experten für Euer Kind und Ihr entscheidet, welcher Weg für Euch und Eure Familie richtig ist.

    Es gibt keine perfekte Anleitung und Vorgehensweise. Wir sind alle nur Menschen, die auch Fehler machen und daraus lernen können.

    Nur wenn wir authentisch sind, bei uns bleiben und für uns den Weg richtigen Weg finden, werden wir uns wohl fühlen.

    Vertraut Euch und Eurem Bauchgefühl!

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